Die namengebende Erkrankung dieser Webseite! Sie ist eine besonders heimtückische Form der chronischen Atemwegserkrankung und wird immer noch oft unterschätzt.
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 12.11.2008
Lungenemphysem (oder kurz Emphysem)
Eine chronische Erkrankung der Atemorgane, mit der die meisten
Menschen gar nicht viel anfangen können. Sie sollten es aber
am Ende dieser Seite wissen!
Erinnern Sie sich an den Aufbau unserer Lunge? Ein Schwamm, bestehend aus vielen
Millionen winzigster Lungenbläschen, ein stetes Aufblähen, Zusammenfallen,
Aufblähen, ....
Stellen Sie sich jetzt als Bild vor, wie jemand einen heißen Gegenstand
nimmt und damit in diesen Schwamm Löcher hineinbrennt, lauter große,
plumpe Höhlen in dem feinen Schwammgewebe: so etwa schaut eine Emphysemlunge
aus. Die feinen Bläschenstrukturen sind zerstört, ersetzt durch
wabige Löcher, die aufgrund Ihrer defekten Struktur das nicht mehr leisten
können, was eine "anständige" Lunge beherrschen soll, den
Gasaustausch: Sauerstoff rein - Kohlendioxid raus. Das heisst im Klartext: Dort
wo Emphysem ist, ist die Lunge praktisch tot!
Dann kommt noch etwas dazu. Die Veränderungen betreffen nicht nur die
Lungenbläschen sondern auch die feinsten Endbronchien, die Bronchiolen.
Auch deren Wände werden in ihrer Struktur verändert. Die Folge ist,
dass ihre Stabilität deutlich abnimmt. Das hat gravierende Folgen. Bei
der Einatmung entsteht im Brustraum (Thorax) ein Sog, also ein negativer Druck,
der nicht nur die Atemluft in den Thoraxraum zieht sondern auch die Bronchien
auseinanderzieht und damit die Atemluft besser durchstömen lässt.
Bei der Ausatmung ist es genau umgekehrt: Es entsteht ein (positiver) Druck,
d.h. die instabilen Atemwege werden zusammengedrückt, also komprimiert,
so wie ein billiger Gartenschlauch, den man einfach mit der Hand zusammenpressen
kann. Die Folge: der Durchfluss (in diesem Fall der Atemluft) wird behindert.
Die Folge davon wiederum: Die eingeatmete Luft kann nicht mehr vollständig
ausgeatmet werden und staut sich in den (auch noch krankhaft veränderten)
Lungenbläschen: es entsteht eine Blählunge, das volkstümliche
Wort für Emphysem.
Das bedeutet, dass die Lunge nach einiger Zeit aufgeblasen ist wie ein Autoreifen,
der unter Druck steht. Die Ausatmung ist behindert, die Luft kann nicht mehr
abgeatmet werden, der Brustkorb ist am Ende der Ausatmung voller (verbrauchter)
Luft. Dann entsteht ein starker Lufthunger, der zum Einatmen zwingt. Weil die
Lunge aber schon voller Luft ist, geht das nur noch beschränkt. Bei Anstrengungen,
wo der Sauerstoffbedarf größer wird, versucht der Kranke das auszugleichen
indem er mit Kraft einatmet - und so die Situation noch verschlimmert: Es entsteht
Belastungsatemnot (Dyspnoe), das typische Anzeichen einer Blählunge. Nur
durch bedachtes, "gebremstes" Abatmen kann er die überschüssige
Luft wenigstens wieder teilweise aus der Lunge entfernen und damit das Dyspnoegefühl
verbessern, also durch die "berühmte" Lippenbremse.
Lassen Sie uns nochmal die etwas komplizierten Zusammenhänge zusammenfassen:
Wodurch entsteht so eine verhängnisvolle Entwicklung?
90% aller Emphysempatienten haben in ihrem Leben mehr oder weniger stark geraucht.
Ein ganz geringer Teil erleidet die Lungenveränderungen aufgrund einer
angeborenen Störung im Blut: dem Mangel an Alpha-1-Antitrypsin (heute
sagt man allerdings eher Alpha-1-Proteinaseninhibitor):
Dieses Enzym verhindert den Abbau von körpereigenem Struktureiweiss, das
für den Bau z.B. der Lungenbläschen extrem wichtig ist.
Wenn diese Eiweissmoleküle zerstört werden (beispielsweise durch
den Angriff toxischer Substanzen aus dem Zigarettenrauch), verändert sich
der Wandaufbau des Lungenbläschens so, dass es seine Form und die so wichtigen
elastischen Eigenschaften verliert und funktionsunfähig wird. Wenn der
normalerweise angeborene Schutz gegen solche Gifte, eben das Enzym Alpha-1-Antitrypsin,
nicht vorhanden ist, sind die empfindlichen Schleimhäute besonders empfindlich
und leiden schon unter sonst unschädlichen Umweltstoffen. Ein Mensch mit
angeborenem α-1-Antitrypsinmangel, der auch noch raucht, braucht also auf die
Entwicklung eines Emphysems nur zu warten ...
Besonders tückisch an dieser Erkrankung ist, dass sie sich ganz schleichend
entwickelt. Das bedeutet, dass man die ersten Anzeichen - also beginnende Kurzatmigkeit
bei Anstrengungen - sehr ernst nehmen muss, weil die Krankheit dann schon verhältnismäßig
weit fortgeschritten ist. Und das heisst:
Einzelheiten zur Behandlung erfahren wir aber später auf dieser Seite.
Hier geht es jetzt weiter mit der eigenartigen Krankheit COPD ....